Schulweg sicher meistern: Kantonspolizei übt mit Kindern für den Strassenverkehr

(Bern BE). Ein Polizist mitten im Stuhlkreis, eine Handpuppe auf seinem Schoss und viele grosse Kinderaugen.

Seit dem Schulstart sind wieder zahlreiche Kinder auf dem Weg in den Kindergarten oder zur Schule unterwegs. Damit sie sicher unterwegs sind, üben unsere Verkehrsinstruktorinnen und Verkehrsinstruktoren bereits mit den Jüngsten das richtige Verhalten im Strassenverkehr. Ein Besuch im Kindergarten zeigt, wie der Unterricht abläuft und was Eltern dazu beitragen können, damit ihre Kinder sicher unterwegs sind.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Unterricht: Die Kantonspolizei Bern übt bereits mit Kindergartenkindern richtiges Verhalten im Verkehr
  • Merksatz: „Warte – luege – lose – loufe“
  • Praxis: Kinder üben auf dem Trottoir und am Fussgängerstreifen
  • Sichtbarkeit: Leuchtgurte und Leuchtwesten helfen bei Dämmerung und schlechtem Wetter
  • Eltern: Schulweg gemeinsam üben und konsequent als Vorbild handeln
  • Autofahrende: Am Fussgängerstreifen vollständig anhalten und besonders aufmerksam sein

Im Kindergarten ist es für einen Moment ganz still. Die Kinder sitzen auf ihren kleinen Stühlen im Kreis, mittendrin ein uniformierter Polizist. Auf seinem Schoss hat es sich Bernie bequem gemacht – eine grosse Handpuppe, die noch einiges über den Strassenverkehr lernen muss. Darf er einfach über die Strasse rennen? Wo muss er anhalten? Wie muss er sich beim Fussgängerstreifen verhalten?

Hände schnellen in die Höhe. Die Kinder rufen Antworten, beobachten aufmerksam und helfen Bernie, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sie lachen, staunen und probieren aus. Was spielerisch wirkt, verfolgt ein klares Ziel: Die Kinder sollen lernen, sich sicher im Strassenverkehr zu bewegen.

Verkehr durch Kinderaugen

Kinder nehmen den Verkehr anders wahr als Erwachsene. Sie lassen sich leichter ablenken, können Geschwindigkeiten und Distanzen noch nicht zuverlässig einschätzen und handeln oft spontan. Ein Ball, ein Tier oder ein bekanntes Gesicht auf der anderen Strassenseite kann ihre Aufmerksamkeit bereits vom Verkehr weglenken. „Darum arbeiten wir mit einfachen Abläufen, die sich die Kinder gut merken können“, erklärt Dominic Berger, Mitarbeiter der Prävention, der an diesem Vormittag im Kindergarten unterwegs ist.

Im Kindergarten umfasst der Verkehrsunterricht der Kantonspolizei Bern zwei Lektionen. Er verbindet den Anschauungsunterricht, der drinnen im geschützten Rahmen abgehalten wird, mit praktischen Übungen auf der Strasse. Bernie begleitet die Kinder durch den ersten Teil – auch wenn die Handpuppe nicht immer alles auf Anhieb richtig macht. „Bernie darf Fehler machen“, erklärt Berger. „Die Kinder erkennen oft sehr schnell, was er falsch macht. Indem sie ihm helfen, wiederholen sie gleichzeitig die wichtigsten Regeln.“

Im Stuhlkreis lernen die Kinder den Merksatz „Warte – luege – lose – loufe“. Gemeinsam besprechen sie, wie sie sich auf dem Trottoir verhalten, eine Strasse sicher überqueren und am Fussgängerstreifen warten. Auch die Sichtbarkeit ist ein Thema. Leuchtgurte und Leuchtwesten sorgen dafür, dass Kinder besonders bei Dämmerung, bei Regen oder bei schlechtem Wetter besser auffallen. „Es ist sehr wichtig, dass Kinder im Strassenverkehr von den anderen Verkehrsteilnehmenden rechtzeitig gesehen werden“, so Berger.



Erste Schritte im Strassenverkehr

Der erste Teil der Lektion ist inzwischen vorbei und wenig später öffnet sich die Tür des Kindergartens. Eben noch haben die Kinder Bernie erklärt, wie man eine Strasse überquert. Nun sollen sie das Ganze selbst anwenden. Draussen kommen zusätzliche Eindrücke hinzu: Autos fahren vorbei, Velofahrerinnen und Velofahrer nähern sich, Motoren sind zu hören und parkierte Fahrzeuge verdecken teilweise die Sicht. „Drinnen lernen die Kinder die einzelnen Schritte spielerisch kennen. Draussen erleben sie, was diese im echten Strassenverkehr bedeuten“, erklärt Berger. Die Verbindung von Theorie und Praxis gibt ihnen Sicherheit und hilft ihnen, auch in ungewohnten Situationen richtig zu reagieren.

Der Verkehrsinstruktor zeigt den Kindern, wo sie auf dem Trottoir sicher gehen und an welcher Stelle sie vor dem Überqueren der Strasse warten sollen. Nacheinander treten sie an den Fussgängerstreifen. Sie bleiben stehen, schauen in beide Richtungen und lauschen aufmerksam. Erst wenn die Autos vollständig angehalten haben und die Kinder sicher sind, dass sie gesehen wurden, gehen sie über den Fussgängerstreifen und bedanken sich mit einem kurzen Handzeichen.



Eltern und Bezugspersonen als Vorbilder

Der Verkehrsunterricht legt eine wichtige Grundlage. Damit das Gelernte im Alltag zur Gewohnheit wird, braucht es jedoch regelmässige Wiederholungen. Eltern und andere Bezugspersonen sollten den künftigen Kindergarten- oder Schulweg deshalb mehrmals gemeinsam mit dem Kind zurücklegen. Dabei ist nicht immer der kürzeste Weg der sicherste. Ein kleiner Umweg kann sinnvoll sein, wenn dadurch unübersichtliche Kreuzungen oder stark befahrene Strassen vermieden werden.

Erwachsene haben dabei eine wichtige Vorbildfunktion. Kinder beobachten genau, ob ihre Begleitpersonen vor dem Überqueren der Strasse anhalten, aufmerksam schauen und hören – oder sich vom Mobiltelefon ablenken lassen. Doch auch Auto- und Velofahrende sind gefordert, sich im Strassenverkehr aufmerksam und rücksichtsvoll zu verhalten sowie am Fussgängerstreifen ganz anzuhalten. Das gilt besonders zum Schulstart, wenn viele junge Verkehrsteilnehmende unterwegs sind – einige von ihnen zum ersten Mal.


Polizei.news informiert

🚸 So können Eltern den Schulweg wirklich sicherer machen

Die BFU empfiehlt, den Schulweg mit Kindern mehrmals gemeinsam zu üben. Dabei sollte nicht zwingend die kürzeste, sondern die sicherste Route gewählt werden. Wichtig ist, schwierige Stellen wie unübersichtliche Kreuzungen oder Einfahrten gezielt mit dem Kind zu besprechen.

Am Fussgängerstreifen gilt für Kinder: warten, bis die Fahrzeuge vollständig stillstehen, erst dann losgehen. Die BFU empfiehlt auch Erwachsenen, dieses Verhalten konsequent vorzuleben. Fahrzeuglenkende sollten vor Fussgängerstreifen die Geschwindigkeit reduzieren und vollständig anhalten, wenn Kinder die Strasse überqueren wollen.

Zusätzliche Sicherheit schafft gute Sichtbarkeit. Helle Kleidung und reflektierende Elemente helfen dabei, Kinder früher zu erkennen. Besonders bei Dämmerung, Regen und Dunkelheit sind Leuchtwesten oder reflektierende Materialien sinnvoll.

Die Kantonspolizei Bern erreicht nach eigenen Angaben jedes Jahr mit ihrem Präventionsunterricht an Schulen über 110’000 Kinder und Jugendliche. Im Kindergarten gehören „Warte – luege – lose – loufe“, das Verhalten am Fussgängerstreifen und die Sichtbarkeit zu den zentralen Lerninhalten.


 

Quelle: Kantonspolizei Bern / Polizei.news
Bildquelle: Kantonspolizei Bern

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